Wasserflöhe: Was Sie nicht wussten
F. MattierTeilen
Man glaubte, die daphnien gut zu kennen.
Es gibt jedoch eine Reihe von Dingen, die die meisten Menschen nicht wissen. Einige sind wirklich erstaunlich, unerwartet und stammen aus sehr aktuellen Forschungen.
Sie haben sogar oft die Wissenschaftler überrascht, die sie entdeckt haben!
Ein organisiertes geselliges Verhalten
Die daphnien sind gesellige Tiere, die in „Herden“ leben.
Konrad Lorenz, der Vater der Verhaltensforschung, beschrieb in einem seiner Bücher ihr Verhalten, das dem von Fischschwärmen oder Starenschwärmen ziemlich ähnlich ist.
Diese zahlreichen Wolken, die von den daphnien gebildet werden, stören die Räuber, die so Schwierigkeiten haben, ihre Aufmerksamkeit auf eine einzelne Beute zu richten.
Man stellt fest, dass sich daphnien in strömungslosem Wasser immer in dichten Gruppen zusammenfinden.
Andererseits ist ihr „soziales“ Verhalten und der Austausch zwischen den Individuen völlig unbekannt.
Eine vererbbare Weitergabe erworbener Merkmale
Neuere Forschungen zur Epigenetik haben bei dem wasserfloh eine Fähigkeit gezeigt, erworbene Merkmale an die Nachkommen weiterzugeben.
Bei Gefahr, zum Beispiel wenn Fische in der Umgebung sind, produzieren die daphnien Nachkommen mit Schutzmerkmalen wie einem längeren chitinhaltigen Dorn und einem stärker ausgeprägten „Helm“.
Die DNA wird nicht verändert, aber einige inaktive Gene werden aktiviert und bleiben bei der Fortpflanzung aktiv.
Es gibt also ein „transgenerationelles Gedächtnis“, wobei zukünftige Generationen erworbene und nicht angeborene Merkmale der vorherigen Generationen erben.
Babys, die ebenso eiweißreich sind wie Artemianauplien
Die gerade geborenen daphnien heißen „Neonaten“. Sie entsprechen den Artemianauplien, sind aber viel leichter zu züchten, da jedes weibliche Tier ohne Eier ständig Neonaten produziert.
Diese Neonaten sind ebenso eiweißreich wie Artemianauplien.
Man kann seine Jungfische also problemlos mit sehr jungen daphnien füttern, die übrigens eine vergleichbare Größe wie Artemianauplien haben.
Dazu lässt man einfach große erwachsene daphnien in den Laichbecken leben. Diese daphnien, die zu groß zum Gefressenwerden sind, produzieren ständig Neonaten, die die Jungfische nach Bedarf fangen können.
Der Vorteil ist, dass der wasserfloh nicht salzig ist und unbegrenzt im Süßwasser überlebt.
Ein an die Nachkommen weitergegebenes Mikrobiom
Der wasserfloh ist ein geschätztes Modell in Laboren zur Erforschung des Mikrobioms.
Diese neueren Forschungen, die sich mit der bakteriellen (aber auch viralen, pilzlichen usw.) Flora im Inneren der Tiere befassen, sind eine wertvolle Quelle medizinischer Entdeckungen.
Die Erforschung des Mikrobioms ist eine Revolution.
Der wasserfloh hat ein recht stabiles und konstantes Mikrobiom, was es ermöglicht, die Auswirkungen seiner Veränderungen auf Lebensdauer, Wachstum, Aussehen, Gesundheit und andere Parameter wie zum Beispiel Verhalten zu untersuchen.
So wurde der Einfluss des Mikrobioms des wasserflohs auf bestimmte Gene, die seine Lebensdauer bestimmen, erkannt. Da diese Gene auch beim Menschen vorkommen, sind diese Forschungen sehr wichtig.
Die Neonaten erhalten das Mikrobiom ihrer Mutter, aber man weiß auch, dass bei den Eiern der daphnien das Mikrobiom teilweise auf der Eihülle sitzt und beim Schlüpfen übertragen wird!
Ephyppien, die ein Jahrhundert überdauern!
Wenn die daphnien spüren, dass sich die Umweltbedingungen ändern und sie gefährden (zum Beispiel wenn der Winter naht oder auch bei großer Hitze), legen sie einige Männchen und es findet eine geschlechtliche Fortpflanzung statt, anstelle der üblichen ungeschlechtlichen Fortpflanzung durch Jungfernzeugung (weibliche Tiere bringen allein weibliche Nachkommen hervor).
Wenn sie von Männchen befruchtet werden, legen die Weibchen keine fertigen Neonaten mehr, sondern „Dauereier“, sogenannte Ephyppien. Diese schwarzen, paarweise zusammenliegenden Dauereier warten auf günstigere Bedingungen zum Schlüpfen und bilden dann eine neue Population von daphnien.
Die Ephyppien widerstehen Frost, Trockenheit, Hitze und... der Zeit. Heute weiß man, dass diese Eier mehr als ein Jahrhundert lang lebensfähig bleiben können!
Die Artemien werden damit haushoch geschlagen!

Eine atemberaubende Vermehrungsfähigkeit
Eine daphnie beginnt bereits im Alter von einer Woche mit der Fortpflanzung.
Während ihres kurzen Lebens von kaum mehr als einem Monat bringt sie 10 bis 30 Würfe hervor (bis zu 20 oder 30 Neonaten pro Wurf).
Man hat berechnet, dass eine einzelne daphnie magna unter idealsten Bedingungen theoretisch in nur 3 Monaten eine Population von... 100 Milliarden Individuen, alle weiblich, hervorbringen könnte! Das bleibt natürlich eine rein theoretische Rechnung.
Unter realistischeren, aber guten Bedingungen sind es natürlich weniger: nur zwischen 10 und 50 Millionen!
Alle meine seit der Gründung von Aquazolla gezüchteten daphnien magna stammen von 4 armen Überlebenden, die 2004 aufgenommen wurden!
Die wirbellosen Wasserlebewesen sind eine absolut faszinierende Welt.






7 Kommentare
Bonjour
J’adore ces bestioles ! Mais aussi bien dans mon bassin que dans mon aquarium sans poisson, impossible d’en maintenir en vie.
Ah! Si seulement elles avaient eu le temps de faire des éphyppies avant de me quitter… mais comment le savoir et les « réveiller » ?
Bonjour,
Toujours aussi passionnant !
Et moi qui n’arrive pas à garder en vie mes daphnies. Je dois bien être la seule !